Domperidon und Herzrisken

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Domperidon und Herzrisken

Beitragvon Fritz » Montag 13. August 2018, 10:48

Amtliche Empfehlung: Domperidon wg. Herzrisken beschränken!','
PRAC empfiehlt Anwendungseinschränkung Domperidon-haltiger Arzneimittel

PRAC empfiehlt Anwendungseinschränkung Domperidon-haltiger Arzneimittel

Freitag, den 07. März 2014
Im Rahmen seiner monatlichen Zusammenkunft hat der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine Empfehlung zur Einschränkung der Anwendung Domperidon-haltiger Arzneimittel ausgesprochen. Die Entscheidung basiert auf einer Neubewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses, welche aufgrund negativer Effekte auf die kardialen Funktionen initiiert worden war.

Der PRAC empfiehlt nun Domperidon weiterhin als Arzneistoff einzusetzen, dies sollte allerdings mit gewissen Einschränkungen hinsichtlich der Indikationen und der Dosierung erfolgen: Ein Einsatz bei Blähungen und Sodbrennen sollte unterbleiben, bei Patienten mit mäßig schwerer bis schwerer Leberfunktionseinschränkung oder mit kardialen Reizleitungsstörungen soll Domperidon sogar kontraindiziert sein. Überdies soll eine gleichzeitige Gabe mit Substanzen, die ähnliche Effekte am Herzen haben und welche die Metabolisierung von Domperidon verlangsamen können, vermieden werden. Zur Therapie von Übelkeit und Erbrechen soll Domperidon weiterhin Anwendung finden, allerdings sollten nicht mehr als 10 mg oral bis zu dreimal täglich bei Erwachsenen und Jugendlichen ab einem Körpergewicht von 35 kg eingesetzt werden. Bei Kindern und Jugendlichen mit einem Körpergewicht unter 35 kg sollte die Dosierung 0,25 mg/kg Körpergewicht bis zu dreimal täglich nicht übersteigen. Domperidon sollte nicht länger als eine Woche angewendet werden.

Über die Entscheidung des PRAC und die möglichen Folgen für den Einsatz von Domperidon wird in der Sitzung der Koordinierungsgruppe für gegenseitige Anerkennung und dezentrale Verfahren (CMDh) beraten werden.

Quelle:
Veröffentlichung PRAC; 07. März 2014: PRAC recommends restricting use of domperidone

Das als Quelle verlinkte PDF ist die englische Originalerklärung des PRAC.

Ergänzend dazu noch auf Deutsch weitere Aspeke aus der Originalerklärung

Code: Alles auswählen

http://www.drugbase.de/de/datenbanken/abda-datenbank/aktuelle-infos/artikel.html?tx_ttnews[tt_news]=2171918&tx_ttnews[backPid]=115&cHash=272ffe946027c975ab54f308b76b6de1
Der PRAC hat eine Bewertung des Prokinetikums Domperidon (zum Beispiel Motilium®) abgeschlossen. Im Ergebnis werden die Indikationen eingeschränkt auf die symptomatische Behandlung von Übelkeit und Erbrechen (1). Epigastrisches Völlegefühl und Oberbauchbeschwerden fallen weg. Außerdem sollen Erwachsene über 35 kg Körpergewicht Domperidon nur noch in einer Maximaldosierung von 10 mg bis zu dreimal täglich oral oder bis zu 30 mg zweimal täglich rektal anwenden. Kinder und Heranwachsende mit einem Körpergewicht von unter 35 kg sollen Domperidon nur oral in einer maximalen Dosis von 0,25 mg pro kg Körpergewicht bis zu dreimal täglich erhalten. Flüssigen Zubereitungen sollen Dosierhilfen für eine genaue Dosierung beigegeben werden. Domperidon soll in der Regel nicht länger als eine Woche angewandt werden. Die Bewertung von Domperidon war 2013 auf Antrag der belgischen Arzneimittelbehörde wegen der bereits bekannten kardialen Nebenwirkungen von Domperidon eingeleitet worden. Herzrhythmusstörungen, darunter lebensbedrohliche QT-Zeit-Verlängerungen, sind als unerwünschte Effekte schon länger bekannt; Domperidon ist deshalb bei Patienten mit Herzkrankheiten oder Elektrolytstörungen nur mit Vorsicht einzusetzen. In der Summe kam der PRAC zu dem Schluss, dass Domperidon bei Einhaltung der oben genannten, neuen Einschränkungen weiterhin ein positives Nutzen/Risiko-Verhältnis aufweist. (Anmerkung: Gemeint ist, auf Übelkeit und Erbrechen bezogen, nur kurz eingenommen)

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Re: Amtliche Empfehlung: Domperidon wg. Herzrisken beschränken

Beitragvon Fritz » Montag 13. August 2018, 10:58

Organisationen wie die LaLechLiga und ähnliche Organisationen kritisieren die Domperidon-Einschränkungen, weil es keine echte Alternative gibt. Jetzt wurde in Australien sogar ein Artikel veröffentlicht, nachdem sogar höhere Domperidon-Dosen als bisher üblich kein Problem wären:
https://www.mja.com.au/journal/2014/201 ... ct-fiction\
Die Autoren kritisieren die Domperidon-Einschränkung in Europa direkt und nennen sie, typische stillende Mütter betreffend, für unnötig: "Therefore, one could expect that any increased risk associated with being female and ≤ 60 years would be negligible." (...) "2010, 5% of all women giving birth at a major tertiary teaching hospital received domperidone." (...) "with a reported incidence for cardiac-related out-of-hospital cardiac arrests among young adults aged 16–39 years of 6 per 100 000, the absolute risks associated with the use of domperidone as a galactagogue are likely to be very small, if significant at all."
Nach Ansicht der Autoren kann Domperidon unter Beachtung angegebener Rahmenbedingungen (u.a. keine Herzrhytmusstörungen, Alter ≤ 60 usw.) gefahrlos zum Stillen gegeben werden. Aber lest Genaueres bitte selbst in dem verlinkten Artikel.

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Re: Amtliche Empfehlung: Domperidon wg. Herzrisken beschränken

Beitragvon Fritz » Montag 13. August 2018, 10:59

Kritik an der Domperidon-Warnung und Anwendungs-Einschränkung aus Australien:

https://www.mja.com.au/journal/2014/201/5/pharmacological-management-low-milk-supply-domperidone-separating-fact-fiction

MJA - The Medical Journal of Australia
(2014; 201 (5): 257-258.)

Perspectives
Pharmacological management of low milk supply with domperidone: separating fact from fiction
Luke E Grzeskowiak and Lisa H Amir
Med J Aust 2014; 201 (5): 257-258.
doi: 10.5694/mja14.00626


Restrictions require scrutiny, as their relevance to young and otherwise healthy lactating women is uncertain

Exclusive breastfeeding for the first 6 months of life is well recognised as the optimal form of nutrition to support the growth and development of term and preterm infants.[1] Whether real or just perceived, low milk supply is the most commonly reported reason for early discontinuation of breastfeeding.[2] This is despite the fact that most mothers are able to produce sufficient quantities of milk for their baby, if given the correct support and information.[3] Risk factors for women experiencing low milk supply include maternal illness, caesarean birth, maternal smoking, previous breast surgery, mother–infant separation and indirect lactation (ie, breast pump or manual milk expression).[3] Mothers of infants who are unwell and require supportive care after birth, such as preterm infants, are particularly vulnerable to experiencing low milk supply.[3]

In many of these situations, non-pharmacological strategies such as optimising infant positioning and attachment at the breast, increasing the frequency of breastfeeds and mechanical expression are usually sufficient to increase a woman's milk supply.[3] However, some women still struggle to establish or maintain an adequate milk supply. In these situations, pharmacological intervention with medications used to augment lactation, known as galactagogues, is warranted. The most widely studied and commonly used galactagogues are the dopamine receptor antagonists, metoclopramide and domperidone. Both medications stimulate prolactin release by blocking dopamine D2 receptors in the anterior pituitary. Although studies are still few, these drugs have been shown to be effective treatments for the initiation and maintenance of lactation.[4],[5] In recent years, domperidone has become increasingly used in preference to metoclopramide, as it does not cross the blood–brain barrier, is associated with fewer central nervous system side effects (ie, fatigue, irritability, depression), and is secreted in only small amounts into breast milk.[4]

Recently, albeit not for the first time, warnings surrounding the use of domperidone and the potential for adverse cardiac effects have arisen.[6] However, these warnings require greater scrutiny, as their relevance to young and otherwise healthy lactating women is uncertain.[5] The QT-prolonging effects of domperidone, which place susceptible users at a significantly increased risk of fatal cardiac arrhythmias, have been well known for years.[6] Of particular interest is the concept of susceptibility, as the early case reports linking domperidone use to sudden cardiac death describe the administration of high-dose intravenous formulations in patients with cancer who also had significant electrolyte disturbances. These reports led to the worldwide withdrawal of the intravenous formulation in 1985.[6] The oral form has remained available for use in many countries, including Australia, although it has never received marketing approval in the United States.

Additional evidence supporting the association between the use of domperidone and sudden cardiac death emerged through the publication of two case–control studies in 2010.[7],[8] These additional concerns led to further regulatory warnings and ultimately prompted a review of all domperidone-containing medicines by the Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) of the European Medicines Agency (EMA) in 2013. The findings of this review have recently been released. The committee determined that benefits in relation to the symptomatic management of nausea and vomiting outweighed associated risks, although they recommended that the daily oral dose be restricted to a maximum of 30 mg and that domperidone not be used for longer than 1 week.[6] But what about its use among lactating women? An important caveat of this review is that it sought to determine whether the benefits of domperidone use outweighed associated risks only for its approved indications. Given that the use of domperidone as a galactagogue does not reflect an approved indication, it was therefore not considered within this investigation. This could reflect a significant oversight, given domperidone is commonly used off-label for this indication. It also raises significant questions regarding the generalisability of previous study findings on which these recommendations were based, and therefore the relevance of this EMA PRAC recommendation. Issues regarding generalisability are highlighted through findings from one of the two most recent studies, where an increased risk of sudden cardiac death associated with domperidone use was only observed among subjects » 60 years of age (adjusted odds ratio [aOR], 1.64; 95% CI, 1.31–2.05), and not among those ≤ 60 years of age (aOR, 1.1; 95% CI, 0.35–3.47).7 Furthermore, an increased risk was only observed among males (aOR, 2.23; 95% CI, 1.59–3.13), but not females (aOR, 1.25; 95% CI, 0.93–1.67) of any age.[7] Therefore, one could expect that any increased risk associated with being female and ≤ 60 years would be negligible.

Where does this leave clinical practice? An Australian-based clinical audit from 2000 to 2010 showed that domperidone is commonly used off-label as a galactagogue in clinical practice, and that by 2010, 5% of all women giving birth at a major tertiary teaching hospital received domperidone.[9] It is likely, however, that this reflects an underestimation of total use, as medication data were obtained from the hospital pharmacy alone and domperidone may also be prescribed in community settings, for which no data are currently available. Despite its common use in many settings around Australia and overseas, no case reports of sudden cardiac death or serious ventricular arrhythmias associated with its use in lactating women have emerged. This could reflect the rarity of this outcome among women of childbearing age, so we may never be able to generate a clear answer on the associated risks in this population, as the total number of lactating women needed in studies would be very large. However, with a reported incidence for cardiac-related out-of-hospital cardiac arrests among young adults aged 16–39 years of 6 per 100 000,[10] the absolute risks associated with the use of domperidone as a galactagogue are likely to be very small, if significant at all. Furthermore, a perspective not often considered in previous discussions is the infant and maternal benefits offered by breastfeeding. This perspective is essential, as breastfeeding is associated with significant reductions in infant morbidity and mortality,[1],[2] as well as providing long-term benefits for the mother, with reductions in the incidence of certain cancers, for example.[2] It could be considered that these wide-ranging benefits greatly outweigh what amounts to, at this point in time, largely theoretical risk associated with the use of domperidone as a galactagogue.[5]

While research to determine the optimal treatment regimens for domperidone is ongoing, five clinical recommendations can be drawn from existing evidence to guide its safe and effective use.

- Before considering domperidone, ensure that low milk supply persists despite the adequate trial of non-pharmacological approaches. This is a clinical decision that may require input from a lactation consultant. While ongoing studies seek to identify the most appropriate time to initiate treatment with domperidone, low milk supply may be identified as early as 7 days postpartum.
- Ensure mothers are appropriately screened for any comorbid medical conditions (including a significant personal or family history of cardiac arrhythmia), concurrent use of other medications that may prolong the QT interval and/or inhibit the metabolism of domperidone (eg, macrolide antibiotics and triazole antifungals).
- Appropriately discuss the benefits and risks of the use of domperidone to increase breast milk supply to ensure mothers make an informed decision.
- Prescribe domperidone at an initial dose of 10 mg three times daily. A response to treatment should be evident within 7 days, with maximal effects likely to be achieved after 2 to 4 weeks.[5] If supply remains low, increasing the dose to 20 mg three times daily may be beneficial. No clinical studies have investigated the effects of doses greater than 20 mg three times daily. Once an adequate breast milk supply is achieved, women may benefit from titrating the dose downwards over 1 to 2 weeks before ceasing, avoiding an abrupt withdrawal of treatment.
- Ensure regular follow-up to confirm adherence to non-pharmacological management approaches and monitor closely for improvements in milk supply and the presence of any side effects associated with domperidone.

Used in accordance with these clinical recommendations, it is possible that domperidone may be used without direct risk to breastfeeding women. At least two major studies are already underway that will help further guide the safe and effective use of domperidone. These studies will improve our understanding of the most effective time to initiate domperidone treatment postpartum and the optimal dose and duration of treatment, and they will explore why some women do and do not respond to treatment with domperidone, which may allow further medication tailoring.

In conclusion, domperidone, or the use of any other galactagogues for that matter, should never be considered a magic bullet. They should not be used as a substitute for, or as an alternative to, effective non-pharmacological breastfeeding support and encouragement; but domperidone can be used safely and effectively. As for further regulatory action, it is essential that benefits and risks be judged objectively, regardless of its off-label status. The provision of further restrictions to the use of domperidone may do more harm than good, with the risk of condemning lactating women to the status of therapeutic orphans.

Provenance: Not commissioned; externally peer reviewed.

References:

[*1]. Stuebe AM, Schwarz EB. The risks and benefits of infant feeding practices for women and their children. J Perinatol 2010; 30: 155-162.
[*2]. Odom EC, Li R, Scanlon KS, et al. Reasons for earlier than desired cessation of breastfeeding. Pediatrics 2013; 131: e726-e732.
[*3]. Amir LH. Breastfeeding: managing ‘supply' difficulties. Aust Fam Physician 2006; 35: 686-689.
[*4]. Zuppa AA, Sindico P, Orchi C, et al. Safety and efficacy of galactogogues: substances that induce, maintain and increase breast milk production. J Pharm Pharm Sci 2010; 13: 162-174.
[*5]. Osadchy A, Moretti ME, Koren G. Effect of domperidone on insufficient lactation in puerperal women: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Obstet Gynecol Int 2012; 2012: 642893.
[*6]. European Medicines Agency. PRAC recommends restricting use of domperidone. London, UK: EMA, 2014. http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/doc ... 162559.pdf\ (accessed Apr 2014).
[*7]. Johannes CB, Varas‐Lorenzo C, McQuay LJ, et al. Risk of serious ventricular arrhythmia and sudden cardiac death in a cohort of users of domperidone: a nested case‐control study. Pharmacoepidemiol Drug Saf 2010; 19: 881-888.
[*8]. van Noord C, Dieleman JP, van Herpen G, et al. Domperidone and ventricular arrhythmia or sudden cardiac death: a population-based case-control study in the Netherlands. Drug Saf 2010; 33: 1003-1014.
[*9]. Grzeskowiak LE, Lim SW, Thomas AE, et al. Audit of domperidone use as a galactogogue at an Australian tertiary teaching hospital. J Hum Lact 2013; 29: 32-37.
[*10]. Deasy C, Bray JE, Smith K, et al. Out-of-hospital cardiac arrests in young adults in Melbourne, Australia. Resuscitation 2011; 82: 830-834.

Authors:

Luke E Grzeskowiak, PhD, BPharm(Hons), GradCertClinEpid, National Health and Medical Research Council Early Career Fellow[1]
Lisa H Amir, MB BS, MMed, PhD, Principal Research Fellow,[2] and Medical Officer[3]

[*1] School of Paediatrics and Reproductive Health, The Robinson Research Institute, University of Adelaide, Adelaide, SA.
[*2] Mother and Child Health Research, La Trobe University, Melbourne, VIC.
[*3] Breastfeeding Service, Royal Women's Hospital, Melbourne, VIC.

Correspondence: luke.grzeskowiak@adelaide.edu.au

Acknowledgements: Luke Grzeskowiak acknowledges salary support from a National Health and Medical Research Council Australian Public Health Fellowship (1070421).

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Re: Domperidon und Herzrisken

Beitragvon milchling » Dienstag 14. August 2018, 07:40

Schon im Mai 2012 hat eine Gruppe von Ärzten für Pädiatrie und Geburtsmedizin eine >> Replik auf die Studienergebnisse verfaßt, die im März 2012 zu einer Gesundheitswarnung von Health Canada geführt hatten.
Die von Fritz zitierte Warnung des PRAC basiert auf dieser kanadischen Warnung bzw. deren Studiengrundlagen.

Zu diesen Ärzten gehören auch Jack Newman und Lenore Goldfarb, die Autoren der Newman-Goldfarb-Protolkolle zur Induktion.

Der zentrale Punkt der Kritik richtet sich gegen die Alterszusammensetzung der beiden Studien, in der einen betrug der Altersdurchschnitt 72.5 Jahre, in der anderen 79.4 Jahre. Außerdem wären viele davon vorbelastet mit Krankheiten wie Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder kongestiver Herzinsuffizienz.
Sie weisen auch darauf hin, daß eine Studie ergeben hat, daß das Risiko bei jüngeren Patienten praktisch genau so hoch wie das Zufallsrisiko war und das von Frauen signifikant niedriger, als von Männern.
Ihr Fazit ist, daß die Population, an der die Warnung ermittelt wurde, eine deutlich andere ist, als die stillender Mütter.

Die Mahnung zur Vorsicht bei Herzarrythmieen, Leber- oder Magenfunktionsstörungen erhalten sie aufrecht.

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Re: Amtliche Empfehlung: Domperidon wg. Herzrisken beschränken

Beitragvon milchling » Dienstag 14. August 2018, 08:02

Fritz hat geschrieben:Pharmacological management of low milk supply with domperidone: separating fact from fiction
Luke E Grzeskowiak and Lisa H Amir
Med J Aust 2014; 201 (5): 257-258.
doi: 10.5694/mja14.00626


Die selben beiden Autoren haben im Februar 2018 eine Metastudie im Journal of Obstetrics and Gynaecology (Obstetrics=Geburtshilfe) vorgestellt, für die sie fünf andere Studien analysiert und verglichen haben, in denen die Mütter von Frühchen 3x täglich 10mg Domperidon zur Steigerung des Milchflusses einnahmen:

Grzeskowiak LE, Smithers LG, Amir LH, Grivell RM: Domperidone for increasing breast milk volume in mothers expressing breast milk for their preterm infants: a systematic review and meta‐analysis BJOG 2018; https://doi.org/10.1111/1471-0528.15177.

Deren Zusammenfassung präsentiert Grzeskowiak auch in einem durchaus sehenswerten >> Video.

Text-Zusammenfassung von der o.g. Website:
Abstract

Background
Mothers of preterm infants often struggle to produce enough breast milk to meet the nutritional needs of their infant. Galactagogues such as domperidone are often prescribed to increase breast milk supply but evidence supporting their role in clinical practice is uncertain.

Objective
To evaluate the efficacy and safety of domperidone for increasing breast milk volume in mothers expressing breast milk for their preterm infants.
...

Main results
The pooled analysis of five trials consisting of 194 women demonstrated a moderate increase in daily breast milk volume of 88.3 ml/day (95% CI 56.8–119.8) with the use of domperidone compared with placebo. No difference was evident with respect to maternal adverse events (odds ratio 1.05, 95% CI 0.65–1.71), with no reported cases of prolonged QTc syndrome or sudden cardiac death. Sensitivity analyses showed no important differences in the estimates of effects.

Conclusions
Domperidone is well tolerated and results in a moderate short‐term increase in expressed breast milk volume among mothers of preterm infants previously identified as having insufficient breast milk supply.

Tweetable abstract
Domperidone leads to short‐term improvements in breast milk volume in mothers of preterm infants.

Im Video weist Grzeskowiak darauf hin, daß 88ml mehr pro Tag als nicht viel erscheinen, aber etwa 40% des Tageskonsums eines solchen Frühchens ausmachen und somit eine signifikante Erhöhung darstellen.

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Re: Domperidon und Herzrisken

Beitragvon Luminic2k » Mittwoch 22. August 2018, 16:28

Ich habe mich auch mal ein wenig mit Domp befasst und etwas dazu quer gelesen. Wenn man jemand älterem, der eine Chemo macht und schon auffällige EKG's hat eine Extrem hohe Dosis Domp Intranenös verabreicht muss man sich nicht wundern. Ich denke mal da hätte man alles mögliche an Medikamenten spritzen können.
Die Warnung bei leberproblemen liegt an der / mir fällt das wort nicht ein/ abbauzeit von Domp in der Leber. Sie braucht länger dafür, deswegen reichert sich Domp im Körper an. Eine bekannte nebenwirkung ist der steigende Prolaktion spiegel, den ja viele erreichen wollen.
was mich extrem wunderd ist, warum die pharma an diesem Basis mittel die "Nebenwirkung" des Prolaktin nicht weiter erforscht. der Markt ist voll mit Müttern die Stillen wollen, aber kaum können.

Edit: eine lange Stillzeit senkt das Brustkrebsrisiko erheblich ...

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Re: Domperidon und Herzrisken

Beitragvon Christine » Donnerstag 23. August 2018, 09:51

Eigentlich gehört es ja nicht in diese Forenecke - aber: Es ist schon auffällig, dass es sehr wohl Abstilltabletten gibt, die genau dafür produziert werden.
Aber es gab auch früher kein einziges Medikament, das offiziell für die Milchbildung vorgesehen war (bzw. ist).

So. Dann haben Ärzte systematisch getestet, welches der existierenden Medikamente für die Milchbildung eingesetzt werden können. Zum Beispiel dafür, wenn Mütter von Frühgeborenen nicht genug Milch bekommen, weil die einfach noch zu schwach saugen und die Brust das nicht als Signal zum Hochfahren der Milchproduktion erkennen kann.
Dann fanden die Ärzte Domperidon als sehr wirksam, sehr gut verträglich, nicht die Blut-Hirnschranke überwindend, nicht wesentlich in die Milch übergehend und setzten es sehr erfolgreich und über sehr viele Jahre hinweg erfolgreich zur Unterstützung der Milchbildung ein.
Bekannt wurden bei Domperidon (das schreibe ich jetzt aus dem Kopf) einige wenige (!) Todesfälle im Zusammenhang mit vorher schon herzkranken (!), sehr alten (!) Menschen bei intravenöser (!) Gabe von Domperidon in hohen (!) Dosen bzw. im Zusammenhang mit sehr alten herzkranken Menschen bei Krebsoperationen bei intravenöser Gabe von Domperidon in hohen Dosen.

Zum Vergleich stehen junge Mütter!!!

Und dann schränken die in der EU plötzlich generell die Indikation von Domperidon so extrem ein, dass es zur Milchbildung praktisch gar nicht mehr verfügbar ist. Ärzte protestieren. Keine Reaktion.
Nun gut, man könnte sagen, man ist erst einmal vorsichtig und schaut sich die Sache in Ruhe an. Davon (anschauen) ist aber nichts, gar nichts zu hörem. Schweigen im Walde. Auch keine Alternativangebote. nichts.

So, und jetzt einmal Luft holen und nachdenken. Viele erinnern sich bestimmt an die aggressive Werbung für Ersatzmilch in Afrika - man drückte Müttern nach der Geburt Geschenkbeutel mit Milchpulver in die Hand. Und was aus Europa oder Nordamerika kommt, muss ja das Allerbeste sein, dachten sich viele Mütter, stillten ab und gaben ihren Babys Ersatzmilch. Ein riesiges Geschäft, absolut rücksichtslos, weil unabgekochtes Wasser bei Neugeborenen tödlich sein kann.

Könnte es sein, dass beim Domperidon-Quasi-Verbot in irgendeiner Form der Mammon eine Rolle spielt? Wer als Mutter keine oder zu wenig Milch hat, ist automatisch Kundin der Ersatzmilch-Industrie, 100 Gramm bedeuten 2,50€ Umsatz, das läppert sich ganz schön.

Nennt es nicht Verschwörungstheorie, solange es keine einzige Forschung oder auch bloß Stellungnahme zu Forschungen nach Alternativen gibt. Oder noch besser: Eine breit angelegte Forschung zu den Rahmenbedingungen einer sicheren Gabe von Domperidon zum expliziten Zweck der Milchbildung. So lange glaube ich denen gar nichts.

Das ist eine subjektiv entstandene Meinungsäußerung einer Nicht-Medizinerin, die allerdings akademisch gebildet ist und sehr lange und sehr gründlich recherchiert hat, unter welchen Bedingungen die Gabe von Domperidon bedenklich ist. Und ich habe zudem etliche Stellungnahmen von Medizinern gelesen, dass sie Domperidon unter den bekannten Bedingungen (ABM-Protokolle) für sicher halten und die Indikationseinschränkung unverständlich ist.

Aber: Ich persönlich nehme ab und zu Domperidon. Aber aus grundsätzlichen Erwägungen nur zyklisch zum kurzzeitigen Hochkurbeln der Milchbildung, also nicht ständig. Bei mir ist das Problem, dass ich längere Dienstreisen ohne meinen Schatz machen muss und da nicht immer pumpen kann, so gerne ich die Pumpe auch gerne an mir machen lasse. Dann geht die Milch jedesmal zurück, ich will aber gerne reichlich Milch für meinen Schatz haben, wenn ich zurückkomme.
Die ständige Einnahme von Domperidon halte ich nicht für gut, denn das ständige Unterdrücken von Dopamin muss ja irgendwie Folgen haben. Nur als Frau, die wirklich einen heftigen Wunsch nach Milch hat, würde das tun, aber dann würde ich meine Gyn zumindest um eine Überwachung bitten, so wie man bei riskanten Sex-Praktiken zumindest dafür sorgt, dass das Risiko in einem gewissen Rahmen bleibt. Denn meist geht es ja in Sachen Sicherheit nicht um absolute Sicherheit, sondern darum, die Wahrscheinlichkeit zu verschieben, dass nichts passiert. Und das kann man immer.

Also noch mal: Ja, ich nehme ab und zu Domperidon, aber immer nur zum Hochkurbeln der Milchmenge und dann schleiche ich es wieder aus. Ich nehme es nicht (!) immer. Das Wichigste ist und bleibt die regelmäßige Stimulation der Brüste auf die richtige Weise. Um auch einen Tip weiterzugeben: Ich habe meiner Gyn klipp und klar gesagt, dass ich Domperido sowieso (auf die beschriebene Weise) nehmen würde, mich gut informiert habe, und dass ich sie nur bitte, das bei den regelmäßigen Checks im Auge zu haben und mir klar zu sagen, wenn sich mein Risiko erhöhen würde. Wäre was mit meinem Herzen oder was Anderes, was wichtig ist, würde ich Domperidon nicht mehr nehmen. Aber ich will eben als erwachsener selbst denkender Mensch informiert werden und dann selbst entscheiden können. Jedenfalls sehe ich nicht ein, wieso sich andere Frauen ihre Brüste auf riskante Weise die Brüste mit Silikon vollpumpen lassen dürfen, Scham- und Achselhaare epilieren, Farbe (Tattoos) unter die Haut spritzen und Extremsportarten machen, ich aber auf dem Trockenen sitzenbleiben soll, obwohl es mir ein wichtiges Lebensgefühl ist, Milch für meinen Mann in der Brust zu haben. Fertig.

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Re: Domperidon und Herzrisken

Beitragvon Luminic2k » Freitag 24. August 2018, 13:55

Wer als Mutter keine oder zu wenig Milch hat, ist automatisch Kundin der Ersatzmilch-Industrie, 100 Gramm bedeuten 2,50€ Umsatz, das läppert sich ganz schön.


Genau da ist der Punkt

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Re: Domperidon und Herzrisken

Beitragvon Luminic2k » Dienstag 20. November 2018, 13:01


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Re: Domperidon und Herzrisken

Beitragvon Fritz » Montag 4. März 2019, 14:10

Was oft als nebensächlich betrachtet wird:

Stress, körperliche Belastung oder Schlafmangel erhöht den Dopaminpegel. Entsprechend kann der körpereigene Dopamin-Spiegel mit Hilfe von Meditation, Entspannungsübungen oder Yoga wieder gesenkt werden. Geht ebenfalls: Wannenbad, angenehme Musik hören, lesen usw. Aber ebenso hat die psychische Gesamtsituation einen Einfluss, Stress im Alltag, unsichere finanzielle Situation, Partnerschaftsstress o.ä.

Das ist der Grund, warum Stress ganz großes Gift für die Milchbildung ist, sogar wenn man Stillen als "Leistungssportart" statt als Entspannungsübung betreibt.

Was mit Domperidon medikamentös in die eine Richtung probiert wird, macht Stress in die entgegengesetzte Richtung.